Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen des Kiezhauses,

nachdem wir in den letzten Monaten wieder zahlreiche wichtige klassenkämpferische Veranstaltungen sowie stadtteilpolitische Vernetzungs- und Initiativentreffen bei uns begrüßen konnten, sind auch wir herausgefordert, mit den aktuellen Infektionsschutzverordnungen umzugehen. Aufgrund der notwendigen gesundheitlichen Schutzmaßnahmen, werden wir daher alle Veranstaltungen im Kiezhaus bis Ende November absagen müssen. Auch andere regelmäßige Termine werden ausfallen. Somit kommen wir der gesundheitlichen Verantwortung gegenüber unseren Nachbar*innen und Kolleg*innen nach. Weitere Informationen zu möglichen Veranstaltungen und Angeboten lassen wir Euch frühestmöglich zukommen.

Die kostenlose Sozialberatung findet weiterhin donnerstags von 15 bis 18 Uhr statt, um jene Lohnabhängige zu unterstützen, die sich der Knute von Arbeitsagentur und Jobcenter wiedersetzen und die ihr zustehenden Rechte erfahren und durchsetzen müssen.

Bitte beachtet dabei die verbindlichen Infektionsschutzmaßnahmen:

  • ein Mund-Nasen-Schutz muss zu jeder Zeit getragen werden
  • die Kontaktdaten müssen beim Betreten des Kiezhauses hinterlassen werden; diese werden sicher aufbewahrt und nach vier Wochen vernichtet
  • die Abstände von 1,5 Meter unter den Anwesenden müssen stets eingehalten werden
  • alle genutzten Flächen werden permanent desinfiziert

Infektionsschutz heisst weiter für die Reichen ackern?

Jenseits der wichtigen Infektionsschutzmaßnahmen, die im Kiezhaus jederzeit eingehalten werden, blicken wir mit großer Sorge auf das aktuelle Krisenmanagement der Herrschenden. Anstatt aus der “ersten Corona-Welle” gelernt zu haben und eine 180Grad-Wende von neoliberalen Ursachen dieser Pandemie zu vollziehen, zeigen sich die herrschenden politischen wie wirtschaftlichen Klassen als dreist und lernresistent. 
Privatisierte Krankenhäuser und ihre schlecht bezahlten, häufig outgesourcten Arbeiter*innen in der Pflege, Reinigung, Logistik, etc. sind nicht rekommunalisiert worden. Anstatt “Gesundheit für alle” zu gewährleisten, werden die Profite der privaten Gesundheitskonzerne mit öffentlichen Geldern weiter abgesichert. Erst großer Druck durch Streiks und harte Verhandlungen um den Tarifvertrag für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst (TVöD) sorgte dafür, dass nach Beifall vom Balkon ein paar Euros mehr in ihren Portemonnaies landen.

Seit März verbinden sich eine globale gesundheitliche mit einer schweren wirtschaftlichen Krise. Die sozialen Folgen dieser andauernden kapitalistischen Krise werden uns hart treffen und sich in Lohndrückerei, Entlassungen und verschärften Lebensbedingungen für diejenigen äußern, die kein Wohneigentum, keine gewinnbringenden Aktienpakete haben, sondern nur ihre Arbeitskraft verkaufen können. Im Besonderen werden Geflüchtete an den Außengrenzen Europas, in den Lagern der europäischen Länder und obdachlose Personen unter dem Ausschluss von Gesundheit, angemessenem Wohnraum und sozialer Daseinsfürsorge leiden. Statt die Wohnungsfrage und die daran hängende Gesundheit von Menschen ernst zu nehmen, lässt der Berliner Senat in der Pandemie und vor dem Winter wieder Zwangsräumungen durchführen.

Diese Krise wird auf den Rücken der Lohnabhängigen und der ganz unten Stehenden ausgetragen, während die Profite und Renditen der Reichen und ihrer Aktionär*innen mit Millionen und Milliarden abgesichert werden. Reiche wie René Benko schließen Filialen von Karstadt und Kaufhof und setzen Kolleg*innen auf die Straße, Vorstandsvorsitzende von Lufthansa streichen 9(!) Milliarden Euro staatliche Unterstützung ein und kündigen im selben Atemzug tausende Arbeitsplätze: und die dicken Gehälter und Dividenden fließen hier fleißig weiter.

Kein Platz für rechte Lügen und Polizeigewalt

Die Wucht der Krise macht es notwendig, verstärkt auf der Straße zu sein und die sozialen Fragen von links zu besetzen. Die Ursachen von Armut, Pandemie und Entwürdigung sind nicht in Verschwörungen von angeblichen Zirkeln und Machenschaften geheimer Kräfte zu suchen. Die tatsächlichen Ursachen sind Folge der Ausbeutung des Menschen und der Natur durch den Menschen, seine Unterdrückung und Erniedrigung zugunsten von Profiten.

Und darum rufen wir dazu u.a. als Teil der berlinweiten Forderungsinitiative #jetzterstrecht auf, sich in den kommenden Wochen praktisch und solidarisch gegen die Krise zu stellen. Weitere Informationen zu Aktionen im Wedding findet ihr beispielsweise bei „Hände weg vom Wedding“. Im Frühjahr wurde über eine lokale Solidaritätsinitiative ein immer noch aktueller Forderungskatalog unter dem Motto “Wedding solidarisch” erarbeitet, damit diese Krise demokratisch und sozial gelöst wird. Denn diese Krise erfordert, dass antikapitalistische und solidarische Lösungsansätze entwickelt und auf die Straße getragen werden. 
Eine Beschneidung der Demonstrationsrechte wie im März darf dabei nicht mehr vorkommen. Polizeiliche Willkür unter dem Deckmantel der Infektionsschutzmaßnahmen muss verhindert und einseitige Maßnahmen zum Schutz der kapitalistischen Produktion zurückgenommen werden. Denn eines zeigt die Krise ganz unverblümt: Während kulturelles und soziales Leben repressiv gemaßregelt wird, sollen wir an den Werkbänken, Büroplätzen und im Dienste von Unternehmen weiter schuften und unsere Gesundheit riskieren.

Solidarität auf die Straße tragen

Wir hoffen, euch baldmöglichst gesund bei uns begrüßen zu dürfen und rufen dazu auf, sich an den kommenden linken, antikapitalistischen Veranstaltungen auf der Straße anzuschließen. Und nicht vergessen: Strukturen wie das Kiezhaus und weitere soziale Zentren von unten sind wichtige Orte gelebter Solidarität und müssen weiter finanziell wie politisch kollektiv unterstützt werden.

Wir bedanken uns und freuen uns auf eine gemeinsame klassenkämpferische Zeit- die Krise erfordert es.

Neue Infektionsschutz- und Krisenmaßnahmen ab 2. November!